Raus aus der Krise

„Gesegnet ist der Mensch, der sich auf Gott verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Der ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Er fürchtet sich nicht, wenn die Hitze kommt. Seine Blätter bleiben grün, auch in einem dürren Jahr. Er sorgt sich nicht, sondern bringt jedes Jahr Frucht.“ (Jeremia 17,7.8)

Ein sonniger Montagmorgen, gut gelaunt schlage ich die Tageszeitung auf. Doch die Meldungen über Krisen auf jeder Seite lassen mir den Atem stocken: Weltweit sind 50 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als je zuvor. Katastrophenmeldungen aus dem Nahen Osten, Irak, Nigeria, Eritrea und Bootsflüchtlinge auf dem Meer … „Europas abgehängte Generation“, titelt „Die Zeit“ angesichts der alarmierenden Jugendarbeitslosigkeit von 50 % in Griechenland, 49 % in Spanien. Andere Krisen kennen wir alle: gesundheitlich, finanziell, Beziehungskrisen … Bei „Focus-online“ lese ich: „Immer weniger Ehepaare bleiben bis zur Silberhochzeit zusammen.“ Europa erlebt auch eine Krise von Ehe und Familie. Was für ein Geschenk, dass meine Frau Susi und ich kürzlich unsere Silberhochzeit feiern durften.

Krisen sind nötig

Jeder kennt sie, keiner mag sie. Und doch bringen uns Krisen weiter. Ein abwegiger Gedanke? Nein. Denn das Wort „Krise“ stammt aus dem Griechischen und bezeichnet laut Duden eine „(Ent-)Scheidung“, eine „entscheidende Wendung“. Eine „schwierige Situation“ oder den „Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung“. Das Internetlexikon Wikipedia ergänzt: „Dass es sich hierbei um einen Wendepunkt handelt, kann jedoch oft erst konstatiert werden, nachdem die Krise abgewendet oder beendet wurde. Nimmt die Entwicklung einen dauerhaft negativen Verlauf, so spricht man von einer Katastrophe (wörtlich in etwa ‚Niedergang‘).“

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „In einer aussichtslosen Lage habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich ändere die Lage – oder mich selbst.“ Es geht also nicht zuerst darum, schnell raus aus der Krise zu kommen (es sei denn, es handelt sich um eine Katastrophe), sondern darum, was wir in der Krise lernen können, bevor wir aus ihr herauskommen.

In Krisen können wir lernen

Dazu brauchen wir jemanden, der in der Krise bei uns ist, der krisenerprobt ist und alle Krisen überwunden hat. Es gibt nur einen, auf den das wirklich zutrifft: Jesus Christus. Er kam als Sohn Gottes auf die Erde. Aus Gottes Herrlichkeit hinein in eine Welt voller Schuld, Katastrophen und Krisen. Menschen verursachen grausame Kriege, furchtbares Flüchtlingselend und unvorstellbares Leid, doch Jesus nahm jede Sünde auf sich, und sei sie noch so groß. Er kam mitten hinein in unsere Not und trug sie, ohne selbst jemals schuldig zu werden (Hebräer 4,15b). Deshalb konnte er unsere Schuld wirklich stellvertretend ans Kreuz tragen (Jesaja 53,4.5). Durch seinen Tod und seine Auferstehung bietet er allen Menschen Vergebung der Sünde an, die sie bis dahin von Gott getrennt hat (1. Johannes 1,7–9). Er schenkt uns neues Leben. Durch ihn können wir Kinder Gottes werden (Johannes 1,12). Nur wer Jesus hat, hat das Leben, ewiges Leben! (1. Johannes 5,12).

Jesus ist in Krisen bei uns

Wer Christus im Gebet als Retter und Herrn in sein Leben einlädt (Offenbarung 3,20), der ist in keiner Krise seines Lebens und dieser Welt mehr allein. Jesus weiß nur zu genau, dass das Leben auf dieser Erde mit bedrückender Not verbunden ist. Er sagt: „In der Welt habt ihr Angst.“ Und er versichert: „Aber seid getrost: Ich habe die Welt besiegt“ (Johannes 16,33b). Jesus ermutigt uns durch sein Versprechen: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“ (Matthäus 28,20b). Das gilt! Jesus ist mit uns, bis es keine Katastrophen und Krisen mehr gibt. Weil alle, die mit ihm gelebt haben, für immer bei ihm sein werden. In Gottes neuer Welt – ohne Leid, Ungerechtigkeit, Tränen und Katastrophen! Bis dahin haben wir eine Aufgabe: an unserem Nächsten, in unserer Gesellschaft, in dieser Welt.

Krisen öffnen den Blick für Not

Wer Jesus an seiner Seite weiß, der in jeder unserer persönlichen Krisen bei uns ist, kann Herz und Hände öffnen für andere, die sich gerade in Not befinden. Wie werden wir krisenfest, um diesen Blick freizubekommen? Für andere, für die Not in unserer Umgebung und am anderen Ende der Welt? Jeremia 17,7.8 zeigt uns einen Weg auf:„Gesegnet ist der Mensch, der sich auf Gott verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Der ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Er fürchtet sich nicht, wenn die Hitze kommt. Seine Blätter bleiben grün, auch in einem dürren Jahr. Er sorgt sich nicht, sondern bringt jedes Jahr Frucht.“

Wie kann man solch ein Mensch werden? Das Gebet ist ein Schlüssel. Alle meine Sorgen, alle meine Krisen kann ich im Gebet an Gott abgeben. Er will für mich sorgen, verspricht er in 1. Petrus 5,7. Absolutes Vertrauen in das Wort Gottes, die Bibel, ist dazu unerlässlich. Nur wenn ich seinem Wort vertraue, es lese und in mein Leben integriere, wächst diese Hoffnung zur Gewissheit. Schließlich kann ein solcher Mensch trotz eigener Krisen für andere da sein. Er kann Frucht bringen. Es ist ein großes Geheimnis unseres Glaubens, dass Jesus oft gerade die Schwachen gebrauchen kann und will, um anderen Menschen zu helfen. So wird die Krise zur Chance.

Krise als Chance verstehen

Meine persönliche Krise kann eine Gelegenheit sein, zu Gott umzukehren, mich neu zu orientieren und Prioritäten zu setzen. Bitten wir doch Gott, uns zu zeigen, was er mit unserem Leben vorhat. Wo er uns gebrauchen will.

Habe ich Gottes Liebe in mir? Dann bin ich berufen, Menschen zu dienen. Mitten in ihren Krisen. Der Mutter in der Nachbarschaft, wenn sie jemanden braucht, der ihr Kind zum Arzt fährt. Der Schülerin, die Nachhilfe benötigt. Dem älteren Herrn aus dem Asylbewerberheim, der Hilfe beim Ausfüllen von Formularen braucht. Vor allem benötigt er einen Menschen, der ihm hier – fern seiner geliebten Heimat – freundlich begegnet. Der ihn Wertschätzung erfahren lässt und Hoffnung gibt.

Hilfe in Anspruch nehmen

In der Krise brauchen wir die Hilfe eines anderen, seine Nähe und einen guten Rat. Das gilt für jeden. Jeder kann einem Missionar einen Brief schreiben (vielleicht sogar mit einer echten Briefmarke darauf) oder ein Päckchen schicken. Für einen anderen Menschen beten können Sie sogar im Krankenbett, in der Reha oder auf dem Weg zur Arbeit. Wer in der Ferne durch eine Krise geht, weiß solche Zeichen der Begleitung sehr zu schätzen. Sie sind wie ein Licht auf dunklem Weg.

Trotz eigener Krisen

Mögen wir in den Krisen unseres Lebens die Chancen erkennen: Jesus nachzufolgen, ihm zu vertrauen, neue Prioritäten zu setzen und anderen in ihren Krisen zu dienen. Mögen wir dadurch selbst aus der Krise finden oder zunächst in dieser Situation wachsen. Dazu brauchen wir einander. In unseren Familien, am Arbeitsplatz und unseren Gemeinden.

Dazu benötigen wir jedoch vor allem und mehr denn je: Jesus! Er sagt: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter euren Lasten leidet. Ich will euch Frieden geben!“ (Matthäus 11,28). Nur in ihm findet ein Mensch Frieden, auch mitten in Lebenskrisen. Nur in Jesus findet ein Volk Frieden, auch inmitten der Katastrophen, die es erleidet.

„Jesus ist unser Friede!“ (Epheser 2,14)

Gerald Häde

(aus: DMGinformiert 5/2014, S. 2f.;
mit freundlicher Genehmigung des christlichen
Missions- und Hilfswerkes DMG interpersonal)

Gerald Häde – hier mit seiner Frau Susi bei ihrer Silberhochzeit – ist Personalleiter Europa beim christlichen Missions- und Hilfswerk „DMG interpersonal“.

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